Diskursformate

Klassenzimmer

»Woher kommst du wirklich?«
Vanessa Vu im Gespräch mit ihren Gästen

Die Frage nach der Herkunft beantworten die meisten geografisch – aber ist es wirklich der Ort, der uns prägt? Die wenigsten erzählen auf die Frage »Woher kommst du« von ihrer kleinen Wohnung, von den arbeitslosen Eltern, von Kleidern oder Worten, an denen jeder sofort ablesen konnte, aus welchen Verhältnissen man kam. Warum tun wir uns so schwer, Kapitalverhältnisse zu benennen und auch mit dieser Linse unser Miteinander neu zu bewerten, vielleicht zu justieren? Ist es die Sehnsucht einer liberalen, leistungsgetrieben Nachkriegsgeneration, das Leben ab der eigenen Geburt zu betrachten, ohne das Gepäck der Familie, das Startvorteil oder ein lebenslanger Bremsklotz sein kann? In der neuen monatlichen Gesprächsreihe gehen wir in vier Ausgaben diesen Fragen nach: Wir nähern uns über Lebensgeschichten den verschiedenen Milieus dieses Landes, erkunden ihre unbesprochenen Winkel, stellen sie gegenüber und erkennen uns dadurch vielleicht auch selbst ein bisschen besser. Zum Austausch lädt die Journalistin Vanessa Vu in ihr damaliges Kinderzimmer: Stockbett, Matratze, Röhrenfernseher, viel Plastik – nach einer langen Zeit im Asylbewerberheim war dies der Beginn eines sozialen Aufstiegs.

Bühnenbild: Felix Remme

Termine und Tickets:

18. Mai 2022, 19.30 Uhr, Saal B, Schaubühne am Lehniner Platz 

25. Juni 2022, 20.00 Uhr, Globe, Schaubühne am Lehniner Platz

 

In Kooperation mit der Friedrich-Ebert-Stiftung

Das Projekt wird von der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft (EVZ) und dem Bundesministerium der Finanzen (BMF) gefördert.

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Transatlantische Gespräche

Wann nennen wir Faschismus beim Namen?
Gäste: Michel Wieviorka, Stefanie Schüler-Springorum (Berlin); Masha Gessen, Timothy Garton-Ash (New York)
Kuratiert von Carolin Emcke und Daniel Mendelsohn

Weltweit war in den letzten Jahren der Aufstieg autoritärer, antidemokratischer Bewegungen und Regime zu beobachten. Sie ähneln sich nicht nur in ihren revisionistischen Bezügen auf ein fiktives »Früher«, sie vernetzen und mobilisieren zu Protesten, die immer radikaler, immer aggressiver unsere Demokratien auszuhöhlen versuchen. Es wird Zeit, diese neofaschistischen Dynamiken in transatlantischen Gesprächen zu analysieren und auf ihre besonderen historischen Vorläufer und sozialen Ursachen zu überprüfen. Kuratiert von Carolin Emcke, die seit 2004 die Diskussionsreihe »Streitraum« moderiert, und Daniel Mendelsohn, Editor-at-Large der New York Review of Books, betrachtet die Konferenz aus transatlantischer Perspektive neonationalistischer Bewegungen und befragt diese auf deren historische Kontinuitäten und Diskontinuitäten. In vier Panels diskutieren prominente Gäste aus Europa und den USA miteinander diese und andere Fragen: Wann und warum muss Faschismus beim Namen genannt werden? Was bedeutet es für die Demokratie, wenn es keine Öffentlichkeit mehr gibt, in der noch zwischen »wahr« und »falsch« unterschieden werden kann, wo finden demokratische Selbstverständigungsdiskurse dann statt, wenn Verschwörungsnarrative und Diskurs-Manipulationen nicht mehr herausgefiltert werden können? Wessen Affekte, wessen Zorn wird durch populistische Mobilisierung nachhaltig normalisiert und legitimiert – und wessen Angst und wessen Trauer werden permanent delegitimiert und verdrängt? Wie lässt sich Geschichte pluralisieren, wie lassen sich die verschiedenen Erfahrungen und Erinnerungen an unterschiedliche Gewalterfahrungen gleichermaßen anerkennen und weiter reichen? 

An zwei Nachmittagen ermöglichten die Transatlantischen Gespräche einen einzigartig direkten Gedankenaustausch zwischen Gästen, die live in New York und in Berlin diskutieren. Alle Gespräche wurden auch als Livestream in deutscher und in englische Sprache zugänglich gemacht.

Termine: 

05. & 06. Februar 2022, Schaubühne am Lehniner Platz 

Panel 1:

Panel 3:

Carolin Emcke

Panel 2:

Panel 4:

David Mendelsohn